Pädagogik der Jesuiten

Der Jesuitenorden hat das Jahr 1999 unter das Leitthema »Pädagogik der Jesuiten« gestellt. Anlass ist die erste Studienordnung der Jesuiten, die vor 400 Jahren veröffentlicht wurde. Darin wird beschrieben, wie der Unterricht gestaltet werden soll. Auch der Bezug der Schüler untereinander und zu den Lehrern ist ein wichtiger Punkt in dieser Ordnung. Das Dokument hat bildungspolitische Akzente gesetzt, die bis heute wirksam sind, wie etwa Zeugnisse und die Einteilung in Schulklassen.

Veranstaltungen und Publikationen wollen das Augenmerk auf die pädagogische Chance der jesuitischen Bildungsarbeit lenken. Darunter fallen vor allem die Schulen und Hochschulen, die dem Orden gehören, oder in der Tradition einer Jesuitenschule stehen. Im Gegensatz zu anderen pädagogischen Modellen legt die Pädagogik der Jesuiten nicht nur Gewicht auf reine Wissensvermittlung, sondern auch auf die Entfaltung der ganzen Person.

Bereits 1548 ist unter dem Ordensgründer Ignatius von Loyola das erste öffentliche Kolleg, wie Jesuitenschulen bis heute heißen, errichtet worden. Dabei hat er, damals auf der Höhe der Zeit, das humanistische Bildungsideal vor Augen gehabt. Die Schüler lernten das klassische Latein - damit konnten sie kirchliche und antike Texte lesen. Latein war damals Kommunikationssprache, etwa wie heute das Englische. Die Schüler sollten sich mit Jugendlichen anderer Kollegien verständigen können, die der Orden weltweit gründete. Weiter stand seinerzeit auf dem Stundenplan die faire Diskussion und das Theaterspiel. Diese Fächer sorgten dafür, dass der Unterricht zum Erlebnis wurde. In Predigt und Katechese konnten die Schüler rhetorisches Geschick erlernen.

Das humanistische Bildungsideal blieb bis in die siebziger Jahre unseres Jahrhunderts hinein bestehen, freilich mit Veränderungen. Dennoch mussten die Ziele durch neue Richtlinien erweitert und verändert werden. Die unterschiedlichen Lebensweisen in den Regionen der Welt fordern eigene Modelle. Der Orden hat dem Rechnung getragen und neue Richtlinien herausgegeben.
Gerade in der westlichen Welt stellt sich für viele Jugendliche die Frage nach dem Sinn ihres Lebens. Oftmals wird der Mensch als ein Wesen von egoistischen Trieben und reinen Mechanismen gedeutet. Hier gilt es, jungen Menschen ein christliches Lebensbild darzustellen und vorzuleben. Das ist die Aufgabe der Lehrerinnen und Lehrer, die an einer Ordensschule unterrichten.

In der erzieherischen Tradition des Jesuitenordens stehen heute weltweit mehr als 2600 Schulen, an denen über zwei Millionen Schülerinnen, Schüler und Studierende ausgebildet werden. Im deutschen Sprachraum besuchen zur Zeit ca. 6000 vorwiegend junge Menschen Bildungseinrichtungen in jesuitischer Trägerschaft, wie die Gymnasien in Bonn-Bad Godesberg, St. Blasien, Berlin, Hamburg, Linz und Wien; dazu kommen im Hochschulbereich philosophisch-theologische Fakultäten in Frankfurt, Innsbruck und München. Das Verbindende dieser Institutionen ist die gemeinsame pädagogische Ausrichtung und der Mut, auf der Grundlage eines christlichen Humanismus, Frauen und Männer auszubilden.

Publikationen zur »Pädagogik der Jesuiten«

Delegat für die Ignatische Pädagogik

 

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